Samstag, 12. Juli 2014

Merzig im Jahr 1944: Geschichte und Vergleich der Luftbilder vor und nach dem Luftangriff im November 1944.

Anmerkungen:

- Die Karte funktioniert nur mit dem Adobe Flashplayer.

- Verschieben und Zoomen kann man mit Maus/Scroll-Rad, den Pfeiltasten sowie - je nach Betriebssystem - Befehls-, Command- und Shift-Taste. Außerdem kann man das Navigations-Tool verwenden.

- Braun-/Ockerfarbende Namen sind heute nicht mehr verwendete Bezeichnungen und Einrichtungen aus dem Jahr 1944 - soweit recherchierbar. (Quelle u.a.: Saar-Nostalgie.de)







 

 

Im Jahr 1944...

... wird Merzig zu einer Frontstadt. Seit dem "D-Day" am 6. Juni 1944 dringen alliierte Truppen fast unaufhaltsam gegen Nazideutschland vor, bis die Offensive im September bei Metz wegen Nachschubproblemen ins Stocken kommt. Um die sogenannte "Siegfried-Linie" (gemeint ist der Westwall und die Truppenkonzentration an der Deutschen Grenze) zu durchbrechen, fordert US-General Patton Luftunterstützung für seine Dritte Armee an. Derweil wirft Nazideutschland alles nach vorne, was aufzubieten ist. Merzig ist voller Militär. Ständig werden aus zersprengten Truppenteilen neue Divisionen formiert. Zudem werden alte Menschen und Minderjährige rücksichtslos zum Dienst an der Waffe gezwungen. Auch in Merzig ist eine große "Volksgrenadier"-Division stationiert.
Von Ende September bis Ende Oktober 1944 werden vom Jungenwald bei Merzig-Brotdorf  an die hundert V1- und V2-Raketen auf französisches und niederländisches Gebiet abgefeuert. Die Ziele sind Paris, Maastricht, Antwerpen und der Großraum Lille-Roubaix-Tourcoing. Weit über hundert Menschen und etliche Gebäude fallen diesem Beschuß zum Opfer.
Als klar wird, daß die alliierte Erstürmung der Stadt unmittelbar bevorsteht, werden um Merzig herum vom "Vorkssturm" Panzergräben ausgehoben und mit Wasser befüllt. Auf dem Dezember-Luftbild sind sie am Saarufer als gezackte Linien zu erkennen. Unter anderem am Kreuzberg werden etliche Luftabwehrgeschütze postiert, in den Saarwiesen Suchscheinwerfer. Fast täglich heulen Sirenen und warnen vor Luftangriffen. Die Menschen flüchten vor dem Bombenkrieg in die zahlreichen Bunker.
Am Sonntagmorgen, dem 19. November 1944 gegen 10 Uhr ereignet sich der folgenschwerste Luftangriff auf Merzig. Über 60 F-26-Bomber werfen 1000-Pfund-Bomben auf verschiedene Teile der Stadt ab. (Eine ausführliche, sehr epische Beschreibung dieses Bombardements aus Sicht eines Piloten findet sich in dem Buch "Marauder" von Louis S. Rehr S.109-112) Obwohl das Ziel dieses Angriffs ein rein Militärisches ist, werden um die 80 Zivilisten getötet, zum Teil ganze Familien ausgelöscht. Von militärischen Opfern ist nichts bekannt. Unter anderem wird auch der ehemalige Standort der Synagoge in der Rehstraße / Neustraße getroffen. Dort wurde nach dem Progrom 1938 das zerstörte Kirchenhaus abgetragen und Anfang der vierzigerer Jahre eine Baracke mit NSV-Kindergarten errichtet. Durch eine einzige große Bombe wird der Ort mit vielen angrenzenden Gebäuden in eine Trümmerwüste verwandelt. (Später wird sich die Legende halten, die Bombe habe das Synagogen-Gebäude selbst zerstört)
Das eigentliche Ziel des Angriffs - den Vormarsch der alliierten Truppen zu flankieren - wird (laut US-General Weyland) verfehlt weil die alliierten Soldaten zu weit weg sind, und die deutsche Abwehr zu heftig ist.
In den Tagen danach wird die Brücke zwischen Merzig und Hilbringen gesprengt, um den Vormarsch der Alliierten zu erschweren.
Hastig werden Zivilisten aus der Stadt evakuiert. Auch die Menschen aus den Zwangsarbeiter-Lagern am Schützenhaus und auf dem VILBO-Gelände werden nach Osten transportiert, einige über das Zwischenlager Theley, wo wegen der Überfüllung unmenschliche Zustände herrschen. Das Schicksal dieser Menschen ist noch weitgehend unerforscht.
Merzig bleibt Ende 1944 eine umkämpfte und menschenleere Stadt. So zeigt es das Luftbild vom Dezember.
Im März 1945 marschieren schließlich die Alliierten Truppen ein.

Die Luftbilder...

...wurden in den Jahren des 2. Weltkriegs bei Aufklärungsflügen von speziellen Kameras in Serie aufgenommen, so dass weite Teile Mitteleuropas dokumentiert sind. Dieses riesige Archiv der "The National Collection of Aerial Photography" in Edinburgh (NCAP) ist bis heute nicht vollständig katalogisiert und man kann - gegen Gebühr - einen bestimmten Ort recherchieren lassen und Scans der gefundenen Aufnahmen erhalten.
Die in der Karte oben verwendeten sind vom 28. April 1944 und vom 23. Dezember 1944. Zudem wurde an den linken Rand des Aprilbildes ein Teil einer Aufnahme vom 26. August 1944 angepasst um den Überlappungs-Bereich mit dem Dezemberbild zu vergrößern.
Ansonsten wurden keinerlei Pixel-Retuschen in den Bildern vorgenommen (Staubentfernung u.ä.), wohl aber mäßige Verzerrungen im Dezemberbild, um die Genauigkeit der Überlappung etwas zu verbessern. Die Straßenkarte wurde ebenfalls auf die Projektion des Aprilbildes angepasst. So kommt neben der foto-optischen Verzerrung eine leichte Neigung der Karte nach Nordosten zustande.
Die Originalbilder sind auch im Merziger Bürgerarchiv vorhanden.


Weitere Recherchelinks im Internet

Wikipedia-Artikel über den Vormarsch der Alliierten Truppen

Luftunterstützung für Pattons Armee (englisch)

Dokumente der 416.Bomberstaffel zum Angriff auf Merzig

Material zur Jüdischen Geschichte in Merzig

Bericht über Rakteten aus dem Jungenwald (zweiter Artikel: "Raketen aus dem Losheimer Wald")

Das Projekt "Erinnert Euch" vom Landesjugendring Saar

Das Bürgerarchiv auf der Seite der Stadt Merzig




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